Sonntag, 1. Januar 2012

Durch Zeit und Raum


Ungeachtet der Tatsache, dass ich seit Oktober ´11 keinen Blogeintrag mehr verfasst habe, werde ich nun nahtlos an meine voherige Berichterstattung anknüpfen.
Eigentlich hatte ich vor, Abstand von der herkömmlichen Erzählstruktur zu nehmen, die meist linear zur zeitlichen Abfolge verläuft.
Dann würde ich als Erstes von meinem Farmaufenthalt auf Salt Spring Island berichten, der etwa einen Monat zurück liegt und mir vorwiegend wegen den Tonnenladungen an Hundekuchen in Erinnerung geblieben ist, die ich dort in einer kleinen Küche in Anwesenheit von 9 hunrigen Vierbeinern hergestellt habe. Ich würde erzählen von...
... sonnigen Spaziergängen im Ruckle Provincial Park, bei denen man nicht selten auf Seehunde und Weißkopfseeadler trifft

... wilden Truthahneinfangversuchen, die als begehrter Weihnachtsschmaus ganz oben auf der Wunschliste vieler Kanadier stehen
... einem mehr als delikatem Gourmet-5-Sterne-Dinner mit fangfrischem Krebs- und Krabbenfleisch
... dem bestimmten Verhältnis von Bratensoße und Maismehl, das man bei der fachmännischen Herstellung von Hundekuchen unbedingt beachten sollte
... und von Ganges Harbour, dem charmantesten Hafen der man sich wohl vorstellen kann.

Völlig aus dem zeitlichen Zusammenhang gerissen käme nun die Anekdote mit dem vielsagendem Namen "5 Reisende und ein kaputtes Auto", die sich so oder so ähnlich in der Vorweihnachtszeit auf dem Weg von Victoria nach Nelson ereignet hat. Nicht zu vergessen natürlich der, bereits dritte, Aufenthalt bei meiner kanadischen Ersatzfamilie in Johnsons Landing. Ich würde erzählen von..
... einer Wanderung zum Fry Creek Point und meiner Enttäuschung, da noch überhaupt kein Schnee zu sehen ist
  
... drei ganz wunderbaren Menschen und einem Hund, die mir alle sehr ans Herz gewachsen sind
...dem ersten Schneefall in Kaslo
 ... und von meiner Freude darüber.

Anschließend würde ich in den früher November zurückverfallen und von meiner Großstadtzeit  in Vancouver erzählen,  in der ich meinen Durst nach Kunst und Kultur gestillt habe. Hühner fütter und Kohl ernten erfüllen eben nicht das gleiche Bedürfniss wie Theaterbesuche und Konzerte.
Ich würde erzählen von...
... den Feierlichkeiten in einer Canadian Legion am Rememberance Day, der am 11. 11 in Gedenken an die gefallenen Soldaten zelebriert wird
... Ausflügen an die English Bay, die trotz ihrer zentralen Lage eine kleine Oase zwischen den großen Wolkenkratzern bildet
... 11 lachenden Riesen aus Zink
... und von der Zelstadt des Occupy Vancouver auf dem Vorhof der nationalen Art Gallery.

Dann ist mir jedoch aufgefallen, dass dieser durcheinander geratene Darstellung der Ereignisse nicht besonders leicht zu folgen ist. Man hat es eben doch lieber geordnet, der Reihe nach, choronologisch.
Was ist das Gegenteil von chronologisch? Google beantwortet diese Frage mit dem Zitat " Es gibt kein Gegenteil von chronologisch; genauso wenig, wie es ein Gegenteil von alphabetisch gibt."
Damit will ich mich jedoch nicht zufrieden geben und frage Nelson um Rat, der mich zur Zeit in seinem Haus in der gleichnamigen Stadt wohnen lässt und hauptberuflich ein lokales Wochenblatt veröffentlicht.
Wer sonst sollte sich so gut mit sprachlichen Begrifflichkeiten auskennen wie ein freier Journalist? Nelson erfüllt meine Erwartungen und macht mich mit dem Ausdruck "anachronous" bekannt - anachronistisch.
Bei dem Gegenteil von alphabetisch muss jedoch auch Nelson kapitulieren. Allerdings führt uns dieser Denkanstoß in ein pseudo-philosophisches Gespräch über die Bedeutung von Chaos und Struktur sowie die Illusion der absoluten Ordnung durch Zeit und Datum.
Nelson, der ein bekennender Anhänger der Unstrukturiertheit ist, will mir soeben erklären, warum ein Kalender keine zutreffende Darstellung von Monaten liefern kann, als ein Blick auf meine Armbanduhr unserer,durchaus interessanten, Konversation ein verfrühtes Ende versetzt.
Es ist 11:30 am Neujahrsmorgen und gleich beginnt der traditionelle Polar Bear Swim, für den ich mich selbstverständlich ohne zu Zögern angemeldet habe. So einigen wir uns noch darauf, dass sich eine anachronistische Erzählweise auf Grund der mangelnden Leserfreundlichkeit nicht für einen Blogeintrag eignet, und machen uns auf den Weg zum nahegelegenen Kootenay Lake, in dessen eisiges Wasser sich gleich knapp 40 mutige Teilnehmer stürzen.

Nun bin ich wieder daheim, und würde gerne mehr erzählen von...

...dem waghalsigen Sprung ins kühle Nass, der nicht so kalt verlief wie anfangs erwartet
...meiner neuen Leidenschaft für Ukulelen
... und von den Crosscountryski Erlebnissen in Whitewater. 

Doch Nelson möchte gerne unser Gespräch von heute Morgen vortsetzen, so dass ich mich wieder vom Computer abwende und seiner Einladung ins Wohnzimmer folge, wo er wie üblich mit konzentrierter Miene auf der Couch sitzt und darauf wartet, seine Gedanken mit jemandem teilen zu können.
Vielleicht hat er ja mittlerweile das Gegenteil von alphabetisch entdeckt.

Samstag, 24. Dezember 2011

Fröhliche Weihnachten aus Kanada


Es ist der 21. Dezembers, der kürzeste Tag des Jahres kündigt sich in an diesem Morgen mit einem unglaublichen Morgenrot an. Die Sonne geht um ca. zehn Uhr auf, mit dem Sonnenuntergang um siebzehn Uhr fallen die kürzeren Wintertage bei weitem nicht so dunkel aus, wie ich gedacht hätte. Als ich auf dem Weg zum Yard bin fällt mir das kaum wahrnehmbare Nordlicht über der Main Lodge auf. Auf diesem Gebiet wurde mir hier allerdings noch nicht die spektakulärste Erleuchtung geboten, ich hoffe ich bekomme es noch einmal besser zu sehen

Mit den anhaltenden Temperaturen im Minusbereich, wagten wir uns das erste Mal mit den Schneemobilen auf den Fluss; Es war Zeit den ersten Trial flussaufwärts zu „schlagen“. Im Jahre 2010 wurde bei einer solchen Aktion ein Schneemobil versenkt, dieses Jahr war ich Franks Begleitung.
Er erinnert mich ein bisschen an einen Zwerg, wie er da mit seinem roten Parka, den Bunny Boots und der Fellmütze auf dem Kopf fest entschlossen auf die Eisdecke marschiert. In einigen Abständen schlägt er mit dem Beil kleine Löcher in das Eis und testet die Dicke. Ich muss ein bisschen schmunzeln, als er den Fluss zu Fuß überquert, auf der anderen Seite stehen bleibt, auf mich wartet und wild gestikulierte Zeichen mit seinen Armen in die Luft schlägt, die anscheinend bedeuten, ich kann ihm ohne Probleme mit dem Skidoo folgen. Ich merke das Adrenalin, absprungbereit und mit gehörigem Tempo rase ich über den Fluss, an manchen Flussbiegungen ist das Wasser noch zu sehen. Alles geht gut, ich muss mir eigentlich auch keine Sorgen machen, schon vor zwei Wochen ist Eric, ein netter Kerl, der uns in den Umgang mit den Schneemobilen eingewiesen, auf das Eis gefahren, ich habe auch schon von Schneemobilfahrern gehört, die über offene Seen fahren. Alles eine Frage der Geschwindigkeit!




In der Main Lodge steht ein kleiner, reich geschmückter Tannenbaum. Die Lichter tauchen den Raum in ein schummerig, warmes Licht.

 

Geschafft von dem Tag, der hinter mir liegt, sitze ich über meinem Notizblock, versuche mich an die Schlittentour des Vormittags zu erinnern und somit der Müdigkeit ein Schnippchen zu schlagen. Das ich mir diese Gedanken überhaupt machen muss habe ich meiner Beförderung zu verdanken. Mittlerweile sind nur noch zwei der ursprünglich vier guides hier, die Folge, ich wurde für die half day trips angeheuert. Nach gut zweieinhalb Monaten beende ich somit nun erst einmal meine Karriere als WWOOFer und bin, nach dem fehlgeschlagenem Filmauftritt, nun guide. Die Tage sind dadurch nicht weniger anstrengend, ich muss deutlich mehr bedenken und habe mehr Verantwortung, kann somit allerdings meine Reisekasse ein bisschen aufbessern. Ich habe bereits die ersten Touren geführt, ein spannendes, neues Erlebnis in den Weiten Kanadas.


Während all dem Trubel, der sich über die Feiertage angekündigt hat und durch den ich die nächste Woche keinen Tag frei haben werde, geht es „meinen“ Puppies bestens. Die kleinen Racker haben mittlerweile alle gelernt, wie sie ihre kleinen Zähne einsetzen können, sind eigentlich durchgehend am Spielen und fallen nur noch gelegentlich in den Futternapf. Sie haben die erste Impfung alle tapfer über sich ergehen lassen und reagieren mit hektischem Gespringe und ersten Bellversuchen auf die Futterankündigung. Ich genieße die Augenblicke, die ich täglich mit ihnen verbringen kann und fühle doch einen gewissen Stolz, wenn ich den Gästen nach einem erfolgreichen Schlittentrip von der Bande berichten kann, die ich ja seit dem ersten Tag an begleite.


Wie schon gedacht fällt das Weihnachtsfest für mich dieses Jahr anders aus als sonst. Hier im Land des Ahornblatts werden wir erst morgen feiern. Auf diesen Abend bin ich allerdings schon jetzt gespannt...

...kanadische Weihnachtsgechichte
(der Bär auf der rechten Seite ist leider nicht zu sehen)

Ich wünsche allen ein ganz, ganz schönes Weihnachtsfest, erholsame Feiertage und schon jetzt einen guten Rutsch ins neue Jahr.

(man beachte die Hundebooties!)

Ganz viele liebe kanadische Weihnachtsgrüße





Durch schlechte Nachrichten aus Deutschland liegt keine besonders schöne Vorweihnachtszeit hinter mir, manchmal läuft das Leben doch nicht so, wie man sich das wünscht. Ich gedenke hier an einen Menschen, der mir sehr viel bedeutet hat, ohne den ich wahrscheinlich nicht so wäre wie ich bin und der mir dieses, meine kanadische Abenteuer überhaupt erst mit ermöglicht hat.
Danke...

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Kandische Vorweihnacht


Es ist Vorweihnachtszeit am Yukon. Zugegeben, es ist mit der ganzen deutschen Weihnachtsstimmung nicht zu vergleichen, was aber nicht so schlimm ist. Immerhin gab es schon die ersten Kekse und auf dem Tisch steht ein Adventskranz mit drei Kerzen, der Adventskalender in der Lobby wurde allerdings noch nicht angerührt. Auch der Nikolaus findet anscheinend nicht den weiten Weg nach Kanada, der sechste Dezember ist hier nichts besonderes.

Wegen des Feuers darf man auch mal
als WWOOFer in der Swiss Cabin schlafen
In meinem Bett wartet dann allerdings jemand "sehnsüchtig"!!!

Die arctic dogs hingegen bevorzugen die Kälte

Ok, ein bisschen wurde dann doch zumindest in Whitehorse schon bereits Ende November das Weihnachtsfest eingeläutet. Am 26. November startete am späten Nachmittag der Muktuk Truck mit einem sechsköpfigen Hundegespann im Trailer Richtung Downtown, Whitehorse. 

Teambesprechung! Letzte Anweisungen...

Durch eine vertrauenswürdige Quelle hatte sich ein gewisser Herr namens Santa Clause angekündigt, der ein passendes Fortbewegungsmittel suchen würde. Auf der Main Street war schon alles vorbereitet: Vor dem offiziellen Startpunkt des Yukon Quests stand ein riesiger, reich geschmückter Weihnachtsbaum, in den Straßen hatte sich eine, für diese Stadt, riesige Menschenmenge angesammelt, es wurde reichlich musiziert.


Vor allem in den etlichen Kindergesichtern konnte man die angespannte Erwartung erahnen. Um 16:45 Uhr war es dann soweit. Letztendlich spannten wir nur vier Hunde vor den, mit Lichterketten geschmückten, Schlitten, Santa nahm Stellung auf dem Gefährt und auf ging es zum Startpunkt der Christmas parade, am Ende der Main Street unter dem Tannenbaum. Von dort startete dann auch die Parade. Die Hunde blieben trotz der Feierei erstaunlich ruhig und zogen den Weihnachtsmann tapfer an der Spitze des Zuges um die zwei vorgesehenen Straßenblocks. Ich bekam von dem ganzen Trubel leider nicht so viel mit, ich musste den Truck durch die Menschenmenge auf einen geeigneten Parkplatz buchsieren, konnte demnach leider auch nicht so viele Fotos machen.
 


Nachdem wir die Hunde nach der gut zehnminütigen Parade wieder in dem Trialer gebracht und den Schlitten auf dem Truck verstaut hatten, traten wir nach einer heißen Suppe auch schon wieder den Rückweg an. Ich bin schon jetzt auf den kanadischen Heiligabend gespannt...

In den vergangenen Tagen war es ungewöhnlich warm. Bei den sommerlichen Temperaturen von um die sechs Grad plus fing es sogar kurzzeitig an zu tauen, es war tierisch glatt. Auf diese warme Periode kam dann allerdings zum Glück recht schnell der Schnee zurück. Innerhalb eines Tages fielen rund 30 cm, die Temperaturen vielen sanken wieder auf minus 26 C°. Nach diesem erneuten Wintereinbruch ereilte mich an einem Nachmittag dann der Hilferuf Franks. Beim Räumen der Straße hatte er sich nahe am Highway mit dem Schneepflug fest gefahren. Ohne Probleme konnten wir ihn allerdings aus dem Schneeberg ziehen. Dank meines Anhängerführerscheins werde ich des öfteren gebeten, das Rangieren der Trialer zu übernehmen. Das war auch der Grund dafür, dass ich mich, zusammen mit zwei weiteren Teammitgliedern, abends mit einem defekten Schneemobil auf dem Anhänger auf den Highway Richtung Mario begab. Wir fanden den Weg, es lag allerdings danach ein „13- stündiger“ Arbeitstag hinter uns...


An meinem freien Tag stand die Erkundung des Magic Trialers auf der anderen Seite des Flusses auf dem Plan. Ein etwas komisches Gefühl überkam mich, als ich dadurch das erste Mal den zugefrorenen Fluss überquerte. Einfach cool, da steht so ein Trialer mitten im Feld, es wird vermutlich einige Aufräumtage kosten, bevor man etwas mit diesem Gefährt anstellen kann! ;)



Meinen Puppies geht es super. Sie haben begonnen feste Nahrung aufzunehmen, auf ihren tapsigen Pfoten werden die ersten Spielversuche und Erkundungsgänge unternommen. In den einen der kleinen Bande habe ich mich zugegeben etwas verguckt. Es entsteht irgendwie besonders eine innige Beziehung, wenn man vom ersten Tag das Leben eines solchen Hundes mit verfolgen darf. Das tägliche Wiegen ist mittlerweile nicht mehr nötig, ich genieße es demnach umso mehr, wenn auf mein Pfeifen sich einmälig die Ohren spitzen und der Kleine Kerl auf mich zu wankt. Ach ja...







... erste Unstimmigkeiten

Mit meinem Cabinzimmermitbewohner habe ich nun nach gut einem Monat das gesamte Holz gesägt, gespaltet und gestapelt. Durch einen waghalsigen Stuntversuch, neben dem ATV zu sliden, der leider in die Hose ging, merke ich heute ein bisschen mein Knie. Anstelle anzuhalten meinte Martin, über mein Bein fahren zu müssen. :D Es ist nichts schlimmeres passiert, der Trialer war leer, ich habe damit allerdings mal wieder für eine unglaublich lustige Situation gesorgt. Wir kamen aus dem Lachen einfach nicht raus, diese Geschichte, wie ich „überfahren“ wurde, wird mich noch lange zumindest bei den Mahlzeiten begleiten.
Durch diese „Holzerei“ liegen nun nur noch vereinzelte Stücke auf dem Holzplatz, die nächste Lieferung ist schon angesetzt, hingegen diesem Post, der sich nun doch dem Ende neigt, steht in Bezug auf Holzverarbeitung noch kein Ende in Sicht!


Ich hoffe, dass sich auch alle ordentlich mit Holz für den Winter eingedeckt haben und sende wieder mal ganz viele liebe Grüße aus Kanada.