Donnerstag, 12. April 2012

Das Abenteuer Cattle Ranch

Es ist Donnerstag der fünfte April. Um 09:30 am mache ich mich nach drei Nächten wieder auf die Socken. Ich verlasse das „Banff Alpine Centre“ und fahre mit dem Banff-Roam-Bus in die City. Die Sonne scheint und ich positioniere mich auffällig vor dem Trial Rider Store an der Main Street. Um 10 Uhr bin ich hier mit Lindsay Eklund verabredet, ein Cattle Rancher aus Alberta, der extra die gut 100km auf sich nimmt um mich aus Banff abzuholen und sich als groß, einen schwarzen Cowboyhut und eine LJ-Ranch Jacke tragend am Telefon beschrieben hat. Ich muss auch gar nicht lange warten, bin dann allerdings doch etwas überrascht, als ein junge Mutter mit zwei kleinen Kindern aus dem roten Geländewagen aussteigt und freundlich auf mich zu kommt; Das ist nicht Lindsay! Immerhin scheint sie zu wissen, wen sie hier abholen möchte, auf mein etwas verwirrtes Lächeln stellt sie sich als Laura vor, eine der Töchter, die in Banff wohnt und heute sowieso raus auf die Farm fährt. Meine dreckigen Wanderstiefel scheinen nicht zu stören, ich bin erleichtert, dass das Abholen schon einmal so gut geklappt hat, nach gut eineinhalb Stunden erreichen wir die LJ-Ranch. 

 

Die Helfer aber auch die besten Freunde des Cowboys

Mit den Worten „Welcome stranger“ (mittlerweile habe ich mich über „boy“ zu „my friend“ hoch gearbeitet) werde ich von Lindsay und Joy Eklund gastfreundlich mit einem vorzüglichen Mittagessen begrüßt. Ich bekomme ein Gästezimmer im Keller zugewiesen, stelle meine Sachen ab, dann geht es erst einmal auf eine Führung über die Ranch. 


Zugegebener weise belächle ich den Rancher etwas, als er für diesen Rundgang in seinen Truck steigt, relativ schnell wird mir dann allerdings klar, das das bei den 3560 acres, die hier zusammen mit der Wine Glass Ranch (der Betrieb des Sohnes) bewirtschaftet werden, gar keine so schlechte Idee ist. Es ist unglaublich riesig. 
 
 


working cattle

The cowboy
Barn at the Wine-Glas-Ranch


Vom Ranchhaus aus blickt man in ein Tahl, in dem die Wine Glas Ranch an einem kleinen Creek liegt. Umgeben von den foothills der Rockie Mountains (wir befinden uns in Rockie View County) ist die Landschaft von den endlos scheinenden Weideflächen, einigen Felder und den Hügeln geprägt, bei klarem Wetter runden die schneebedeckten Rocky Mountain die beeindruckende Aussicht ab. Nachdem ich etwas geschockt von der endlosen Plätte vor ein paar Wochen in Calgary gelandet bin, bin ich nun beruhigt, dass es immerhin die vielen Hügel gibt und dass ich wenigstens die Rockies nach wie vor sehen kann. 
Das dritte Abenteuer als Cowboy kann beginnen!

Es scheppert unglaublich laut,
als plötzlich ein Schwan in die Stromleitung fliegt,
etwas taumelt, dann aber weiter fliegt

Während der ersten Tage musste ich mich nun erstmal wieder auf eine neue Sache einstellen. Alles und jeder war neu, doch schon nach diesen ersten Tagen war mir klar, dass ich hier unglaublich viel lernen kann. Am dritten Tag auf der Ranch stand ein erneuter Umzug an. Lori Anne, eine weitere Tochter, war auf der Suche nach einem roommate, das mobile home „The palace“ liegt an dem besagten creek neben der Wine Glas Ranch. Ja, nach meiner Staff Cabin ist es wirklich ein kleiner Palast. Ich habe mein eigenes Zimmer, es gibt ein Bad, zwei Wohnzimmer und eine Küche. Der Strom- und Internetanschluss ermöglichen es mir nun sogar außerhalb der gewohnten Internetzeit bei Muktuk an meinem Blog weiter zu schreiben, auch der heiße Kaffee am Morgen hat doch etwas für sich.

The "PALACE"


Mein äußerst gemütliches Zimmer



Es ist Ostern. Ich genieße meinen freien Tag, richte meine neue Bleibe häuslich ein und wander über die Ranchflächen. Auf meiner Wanderung fällt mir der artenreiche Wildbestand (Wapitis, Deer, Coyoten, Adler, Präriehunde all over the place und einiges mehr...) auf, so sehr ich mich allerdings auch anstrenge, Hinterlassenschaften des Osterhasen finde ich keine. Ich genieße die Aussicht vom Hügel und mache mich dann mit meinem Truck auf den Weg zu Lindsay und Joy; Zum diesjähreigen Osterfest hat sich die gesamte Familie (so ganz steige ich da noch nicht durch, es sind einfach so viele Menschen) im Ranchhaus getroffen, zum Osterdinner bin ich wie selbstverständlich schon nach drei Tagen eingeladen. Auch hier haben die Sechs Enkelkinder schon, bezüglich Ostereiern, ganze Arbeit geleistet, das folgende Essen ist allerdings mehr als entschädigend. Ich bin von der Freundlichkeit überwältigt, erzähle meine bisherigen Kanadaabenteuer unzählige Male, unterrichte etwas Deutsch und habe einen schönen Abend. Danke!

Mein Truck!!!
(Man beachte die Kabelbinder, die die Kühlerhaube zusammen halten)


Rockie View County

Schon nach mittlerweile einer Woche zähle ich zu der echten Cowboys dazu. Einige meiner Aufgaben, die ich besonders liebe, bestehen aus Rinder treiben, sortieren und Lasso werfen. Da die gesamte Arbeit mit den Rindern hier vom Pferderücken aus betrieben wird, verbringe ich etliche Stunden im Sattel, bin mittlerweile vom Greenhorn in den Cowboyclan aufgenommen worden. Schon jetzt gibt es unglaublich viel zu berichten, davon aber demnächst mehr...

Moving cattle und es gießt wie aus Eimern
Offiziell anerkannter Cowboy! ;)

Yeehaw, the cowboy's life!

Mittwoch, 4. April 2012

Der ungewisse Weg gen Süden

Ein etwas komisches Gefühl habe ich an diesem Morgen schon. In meinem Zimmer, das mir für die letzten Monate treu als Rückzugsmöglichkeit und Schlafstätte gedient hat, dämmert es einmälig. Die 85 Liter Stauvermögen meines Rucksackes sind bis aufs letzte ausgenutzt, sodass die 25 Kilo schon seit dem Vorabend abreise bereit an der Wand stehen. Ich vermute das Lec doch irgendwie etwas ahnt. Sie will nicht so recht aus dem Chaos aufstehen, liegt zusammengerollt zwischen Bettdecke, Jacke und auf meinem Laptop. Ich nehme das Halsband vom Nagel, streife es ihr fürs vorerst letzte Mal über den Kopf, auf meinen Pfiff rappelt sie sich auf und folgt mir auf den vorerst letzten Morgenspaziergang. Ich liebe diesen Hund...


Nach fünf Monaten neigt sich meine Zeit bei Muktuk Adventures dem Ende zu. Es liegt eine der aufregendsten Zeiten hinter mir. Als Freiwilliger angekommen im Oktober, zum Guide befördert und schließlich sogar dem Weihnachtsmann assistiert. Ja, alles in allem eine sehr, sehr schöne Winterzeit. 

Voa allem meine Puppies werde ich vermissen...

The Cowdog


Little Brown Girl

 Fünf Monate. Das heißt für mich rund 100 Stunden poop-scooping, 500 Hundepfoten kontrollieren und 2000 Krallen schneiden (was mitunter bei etwas kälteren Temperaturen unangenehm werden konnte). Um das leibliche Wohl der Hunde sicher zu stellen, schleppten wir rund 3000 Säcke Hundetrockenfutter mit einem Gesamtgewicht von rund 50 Tonnen, das verfütterte Fleisch (chicken, high fat, race mix, beef, salmon, etc. …) beruht auf 11250 pounds. Mit den etlichen Eimern voll Fleischbrühe (ein Eimer für ungefähr 25 Hunde und das ganze drei Mal pro Tag) war ich in dieser Zeit 230 Stunden mit dem Füttern beschäftigt. 

Ein letztes Mal die Hunde füttern



... die letzten Touris rausführen






Durch meine 45 Touren, die ich geguidet habe (Doppeltouren nicht mitgerechnet) habe ich insgesamt 280 Touristen auf dem Hundeschlitten durch die Wildnis Kanadas geführt, unglaublich viel Spaß und Stress gehabt, aber vor allem unzählige Erfahrungen gesammelt, für die ich mich bei allen Begegnungen während dieser Zeit bedanken möchte. Ein unvergessliches Abenteuer liegt hinter mir; Danke!


Und ein letztes Mal selber mit einem eigenen Team raus fahren

Jep, true happines is a very fast dogteam!


 

... ein letztes Mal das Snowboard unter die Füße shnallen ;)

 





An besagtem Morgen, den 28. März 2012, bringt mich Manuela zum vorerst letztes Mal zum Flughafen. Es folgt ein herzlicher Abschied, ich gehe allerdings fest davon aus, dass wir uns definitiv wieder sehen! Ich komme ohne Probleme durch den Zoll und ärgere mich dann doch ein bisschen, dass ich nicht wenigstens versucht habe, Lec schon jetzt in meinem Rucksack mit zu schmuggeln.
Als ich nach gut zweieinhalb Stunden in Calgary ankomme, die Erleichterung; mein gesamtes Gepäck ist da! Nachdem ich mir den Flughafen angeguckt habe setzte ich mich in den Banff Airporter Shuttle Bus und komme nach weiteren zwei Stunden in Canmore an. Mitten zwischen den Bergketten der Rockie Mountains gelegen ist es ein touristisch geprägtes Örtchen (ok, doch größer als ich gedacht hatte), nach ersten Informationseinholungen beziehe ich ein Zimmer im Hostel Bear. Mein Mission: Megan überraschen. Ich freue mich auf das Wiedersehen mit ihr, hoffe, dass ich sie wenigstens an ihren freien Tagen treffen kann.


The Hostel Bear

... und die Kulisse im Hinztergrund ist einfach atemberaubend!

 Durch den Tourismus sind die Gebäude in Canmore sehr schön. Insgesamt gefällt mir dieser Ort bis jetzt, der Wintersport regiert das Treiben, um die Stadt herum führen unzählige Trials in die Berge: Ein Eldorado für Mountainbiker. Als ich mir ein Fahrrad von der Herberge ausleihe, zieht es mich für ein paar Stunden in die Berge. Ich muss allerdings nach den vier Stunden anmerken, dass ich meine Fahrräder wirklich vermisse und dass, durch die vereisten Wege, den zum Teil immer noch gut 30 cm hohe Schnee und zuletzt durch die nicht funktionierenden Bremsen vor allem, die Abfahrten mitunter sehr abenteuerlich waren.

Cougar creek
 
Ich bin vorher noch nie beim Bergabfahren mit dem Fahrrad stecken geblieben!
 



Am Montag hieß es dann schon wieder Sachen packen. Zumindest den nahegelegenen Banff-Nationalpark muss man besucht haben. Ich checke am Vormittag aus Canmore aus und stelle mich kurz vor der Highwayauffahrt an die Straße. Mein Rucksack steht neben mir, ein Schild mit der Aufschrift „Looking for a ride to BANFF“ klemmt unter dem Deckelfach und dann heißt es Daumen raus, lange warten muss ich nicht. Ich muss mich hier bei Lea v. W. entschuldigen aber als die alte Dame anhält und mir zu winkt, habe ich wenig Bedenken in das Auto einzusteigen und schmeiße mein Rucksäcke in den Kofferraum. Leider muss ich gestehen, dass ich ihren Namen vergessen habe, sie aber ursprünglich aus Polen kommt und mir während der Fahrt einige Informationen und Tipps für Banff geben kann. Nach nur rund 30 min setzt sie mich extra im Zentrum von Banff ab und macht sich dann weiter auf den Weg zum Skifahren.

Banff

... man ist immer im Nationalpark.


Eine der Hostelküchen

 


Bow falls, Banff


 

Nun werde ich ein paar Tage im ältesten Nationalpark Kanadas verbringen, bevor es dann als Cowboy auf eine Ranch weiter geht. Das nächste Abenteuer kann kommen, ich werde berichten!


Cheers aus dem, wenigstens noch etwas, verschneiten Banff!